Bei uns auf Arbeit arbeiten alle auf Provisonsbasis. Sobald ein unterschiebenes Fax (also Auftrag) bei uns eingeht, kassiert der jenige Geld. So ist es auch, dass jeder seine Statistik führen muss, damit es 1. übersichtlich ist und die Chefin genau weiß wie weit die Person mit der zugeteilten Tour ist. Momentan führe ich keine Statistik, da das mein Mentor für mich macht. Ich arbeite ja quasi noch für ihn. Wenn ich also Aufträge reinhole, kassiert er die Provision. Jedenfalls so lange, bis ich fest übernommen werde. Trotzdem muss er für mich die Statistik führen, da ich ja nach dieser Beurteilt werde. Schummeln ist nicht möglich, da dies ganz zum Schluss mit dem System nochmal abgeglichen wird.
Wir arbeiten mit Computerfaxen. Wenn ein Fax eingeht, dann erscheint auf dem Display des Telefons “Infos empfangen”. Gestern war es so, dass mein Mentor nach Hause gehen wollte – hat seinen PC runtergefahren und sah plötzlich auf seinem Telefon “Infos empfangen”, was er mir auch gleich mitteilte. Da ich neugierig war, fragte ich ihn, ob ich mir das über ein bestimmtes Tool ansehen darf (so brauch ich den PC nicht nochmal hochfahren). “Nein, denn so haben wir etwas, worauf wir uns morgen freuen können”. Meine Arbeitskollegin hat aber meine Neugierde verstanden und mir, nach dem er weg war, angeboten, dass wir gemeinsam reinschauen, was wir auch taten. Es handelte sich tatsächlich um ein unterschiebenes Angebot, welches ich erstellt hatte. JUHUUU
Zwischen der Arbeitskollegin und mir war ausgemacht, dass wir ihm davon nichts erzählen.
Heute früh habe ich als erstes alle Angebote sortiert, die ich heute nochmal kontaktieren wollte und da ist mir das Angebot von dem Kunden, der den Tag zuvor das Angebot zurück gefaxt hatte, in die Hände gerutscht und habe es auf den Stapel gelegt, die ich heute noch nicht kontaktieren muss. Ich habe den ganzen Tag darauf gewartet, dass mein Mentor mir erzählt, dass der Auftrag von mir war und dass ich ihm das Angebot (welches man zur vollständigen Bearbeitung benötigt) geben möchte. Bis ca. 14 Uhr ist nichts passiert. Irgendwann fragte ich ihn, ob bei den “Infos empfangen” etwas gutes dabei war. Er verneinte. Das wäre nur eine Voicemail gewesen. Da klingelten bei mir alle Alarmglocken, denn am Vorabend hatte ich ja ganz genau gesehen, dass es ein unterschiebener Auftrag war. In der Zwischenzeit suchte ich schon das Angebot, welches ich heute früh noch in den Händen hielt. Es war verschwunden. Ich suchte alle Stapel 3-4x durch. Nichts.
Ich habe dann also nochmal meine Kollegin angesprochen und ihr die Situation erklärt. Sie hatte ihm daraufhin gestanden, dass wir in das Tool geschaut und dort den Auftrag gesehen haben. Es störte ihn nicht weiter. Ich fragte ihn also wo mein Angebot sei. Er sagte mir, dass er momentan keine Zeit habe – stattdessen unterhielt er sich viel lieber mit mir über sein Urlaub. Ich fragte ihn also abermals, dass er doch bitte schauen möchte, ob er nicht das Angebot auf dem Tisch liegen hätte. “Jaja, später – das ist erstmal nicht so wichtig”. Nach weiteren 30 Min. wurde ich ärgerlich und habe ihn mit angehobener Stimme gebetn nun doch endlich mal nach dem Angebot zu sehen und dass mich sein Urlaub nicht interessieren würde.
Er wühlte also kurz und sagte “Ja, der Auftrag ist komplett – alles fertig gemacht” Ich war verwundert und fragte ihn: “Ist das Angebot denn auch bei Ihnen?”. Er bejahte dies nur.
Ich konnte meinen Ärger schwer unter Kontrolle halten und habe ihm klar gemacht, dass ich es nicht toll finde, wenn er sich einfach Angebote von meinem Arbeitsplatz wegnimmt und ich die wie eine Geisteskranke suche und er mich nichtmal informiert. Ich denke, eingesehen hat er es nicht.
Wie dem auch sei – irgendwann war mein Mentor bei meiner Chefin und die Arbeitskollegin (sie wird so um die 60 sein) sagte mir, dass sie vermutet, dass er mir das deshalb nicht gesagt hat, damit er den Auftrag in seine Statistik eintragen kann, damit er besser dasteht. Sie meinte ebenso, dass er wohl der Typ dafür ist und sowas anscheind öfter/ab und an macht. Ich traute meinen Ohren nicht.
Ich habe mir also alle Angebote, die ich geschrieben habe in eine Excel-Tabelle eingetragen. Wenn ein Kunde kein Interesse hat, oder das Angebot unterschreibt, dann nehme ich den Namen aus der Liste raus. So behalte ich den Überblick.
Später sprach ich dann nochmal mit meiner Kollegin und erzählte ihr von der Excel-Tabelle und meinen Befürchtungen, dass das nicht das erste Mal war. Denn vor einigen Wochen hatte ich schon mal ein Angebot gesucht, aber nicht gefunden – Die Kollegin lenkte gleich ein mit: “Ja, ich weiß, nur ich wollte nichts sagen”. Damals hatte ich das im Kopf, mit dem verschollenen Angebot, für mich so erklärt, dass ich den vielleicht paar Tage zuvor schon angerufen habe und der kein Auftrag erteilen wollte.
Nun bin ich ziemlich entsetzt – und vorsichtig geworden.
Jetzt zu meiner neuen Frisur. Im Gegensatz zu vielen Anderen, die meine Frisur doof finden, waren meine Kollegen begeistert. Warum auch immer. Mein Mentor äusserte sich dazu wie folgt: “Sie wirken dadurch jünger und frischer”. Mir war sofort klar, dass er die Frisur scheiße fand, weil ansonsten hätte er gesagt “Sie sehen damit echt klasse aus”. Die anderen Arbeitskollegen wollten mir das nicht glauben und meinten “Nein, er findet das ja auch toll, hat er ja gesagt”. Moment – dachte ich mir. Es mag ja sein, dass ich damit jünger und frischer aussehe – aber trotzdem kann die Frisur an mir scheiße aussehen. Irgendwann später meinte er zu mir ich solle mal den Pony nach links schieben, was ich auch tat. “DAS sieht jetzt besser aus – viel attraktiver”. Als ich den Pony wieder nach vorne zubbelte verzog er sein Gesicht und meinte “Um Gottes willen, machen Sie das wieder weg. Das sieht ja schrecklich aus”. Das zum Thema, er findet die Frisur gut *kicher* Mit Pony nach links gefalle ich mir auch besser – aber das ist noch weit entfernt von Attraktivität